Das Heiligtum

Bezüglich der Bedeutung des Heiligtums sind an dieser Stelle zwei Aspekte in Erwägung zu ziehen: a) jener der Religion und b) jener der Politik. Heiligtümer waren nicht hauptsächlich Gebets- und Wallfahrtsorte, sondern eher multidimensionale Institutionen, die den Bedürfnissen eines Stadtstaates dienten. Besonders ab dem 8. Jh. v. Chr. stellte die Polis die Religion ins Zentrum ihrer Angelegenheiten und stiftete ihre Identität mit Hilfe der Religion.

Das Grab des Hyakinthos war einer der zentralen Punkte des Heiligtums von Amyklai und Hyakinthos hatte eine Haupt-Rolle im Rahmen der Hyakinthien inne. Apollos enge Verbindung mit den Gemeinschaften der frühen Eisenzeit erlaubt andererseits die Vermutung, dass der Kult des Hyakinthos mit dem des Apollo sporadisch verschmelzt wurde.

Wie Polykrates in den Deipnosophistai berichtet, feierten die Lakonier die Hyakinthien in Amyklai jedes Jahr drei Tage lang. Der erste Teil dieser Festivitäten galt dem Ritus der Trennung. Es war der Tag der Trauer und des Opfers für Hyakinthos. Der zweite Teil des Kultes kann mit einer anderen Übergangsphase verbunden werden: Symbole und symbolische Handlungen weisen nunmehr deutlich auf einen Initiationsritus hin. Die Wagenprozession, die am zweiten Tag der Festlichkeiten mit dem Chiton für Apollo von Sparta nach Amyklai stattfand, markiert nicht nur den räumlichen Übergang vom alltäglichen Leben in der Stadt zum temporären Aufenthalt in Zelten am Amyklaion. Es findet darüber hinaus auch der Übergang in das Leben und die Welt der Erwachsenen statt. Jetzt richtete sich das Interesse Apollos auf die heranwachsende Generation, auf ihren Schutz während der Aufnahme zur Vollmitgliedschaft in der Gesellschaft.

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