Forschungsgeschichte

Ein mehr oder minder systematischer Versuch, die bekanntesten Monumente Lakoniens zumindest theoretisch aufzunehmen, begann im 19. Jahrhundert. Zwischen 1830 und 1850 war es dann auch William Leake, der den niedrigen Hügel mit der Kapelle der Hagia Kyriaki als Ort des Apolloheiligtums identifizierte. Die ersten Ausgrabungen wurden dann 1890 von Christos Tsountas und der Archäologischen Gesellschaft zu Athen ausgeführt. Zu dessen bedeutendsten Entdeckungen gehören der Peribolos und die Fundamentreste eines Rundbaues, den er als Basis des Thronos identifizierte. In unmittelbarer Nähe zu dieser Konstruktion fand Tsountas auch ein Depot mit für dieses frühe Heiligtum charakteristischem Material, also bronzezeitliche und geometrische Keramik und Terrakotten sowie archaische Bronzefiguren.

Das erste Viertel des 20. Jhs. gilt als die Hauptphase der Grabungsarbeiten und Erforschung des Amyklaions. Das Heiligtum wurde 1904 Gegenstand einer neuen Grabungskampagne unter der Leitung von Adolf Furtwängler. Sein Assistent, Ernst Fiechter, war es dann auch, der drei Jahre später die zweite deutsche Expedition unternahm und 10 Jahre danach die einschlägigen Forschungsergebnisse publizierte. Bezüglich der Arbeiten von Tsountas konnte Fiechter aufgrund der eigenen Funde feststellen, dass das damals entdeckte Fundament eines Rundbaues korrekterweise die Reste des Altars mit treppenförmigem Aufgang darstellten. Wie Furtwängler, kam auch Fiechter zum Ergebnis, dass der Thronos dort gestanden haben muss, wo sich zu seiner Zeit die Kirche befand. Zur Bestätigung dieser durchaus berechtigten Annahme wurde die Kuppel der Hagia Kyriaki abgebaut, was zur Freilegung des einzigen bis heute noch sichtbaren Mauerabschnitts vom Thronos geführt hat. Diese Arbeiten führten auch zur Entdeckung weiterer Architekturglieder: es kamen Friese mit Palmetten und Lotus-Ornamenten, Epistylblöcke, Säulenfragmente und dorisch-ionische Konsol-Kapitäle ans Licht. All diese Funde wurden von Fiechter in das ausgehende 6. Jh. v. Chr. datiert. Mit genau diesem antiken Material wurde jedoch zur selben Zeit weiter nördlich wieder eine neuchristliche Kirche errichtet, diesmal auf den Fundamenten einer byzantinischen Konstruktion (Baptisterion oder Kirche), die bereits Tsountas ausgegraben hatte.

1925 wurde unter der Direktion von Ernst Buschor ein drittes deutsches Forschungsprojekt am Amyklaion durchgeführt. Auf der Grundlage von Erkenntnissen, die Buschor durch die Erforschung einer Ablagerung außerhalb der Südostecke des Peribolos gewonnenen hatte, versuchte er, eine chronologische Abfolge für das Heiligtum herzustellen. Bei genauer Analyse der in seiner Publikation abgebildeten Vasenfragmente ergibt sich jedoch, dass die hier als protogeometrisch bezeichneten Scherben nicht in diese Zeit gehören und dass die Stratifikation am Amyklaion gar keine Schichtenfolge im echten Sinn ist.

Aus der langen Liste der Publikationen zum Amyklaion können an dieser Stelle lediglich noch die zwei umfangreichsten kurz Erwähnung finden, nämlich die von Kaiti Dimakopoulou 1982 verfasste Athener Dissertation zum bronzezeitlichen Heiligtum und die Arbeit von Amalia Faustoferri, die sich 1996 auf die Untersuchung der mythologischen Themen der Thronosdekoration konzentrierte.


Unless otherwise stated, the content of this page is licensed under Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 License